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Info-Seiten: Kostenvoranschlag - Meister(fehl)leistung

Uhrmacher

Er ist die erste Adresse, wenn man Sorgen mit einer Uhr hat. Er hat gelernt, was er tut, und die ständige Beschäftigung mit Uhren führt zu einer Routine, die ein Hobbyschrauber selten erreicht.


Leider gibt es auch unter Uhrmachern Nieten, sogar welche mit Meisterbrief. Ob es einem gefällt oder nicht, man muß "seinem" Uhrmacher zwar Vertrauensvorschuß geben. Aber bei Fehlleistungen wie im hier beschriebenen Beispiel sollte man nicht zögern, diesen Vorschuß auf Null zusammenzustreichen, und sich nach einem anderen Uhrmacher umsehen.
 
  Inhalt
Opfer
Täter
Reparatur
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Opfer

 
Diese Omega Automatic Seamaster Cosmic wurde auf diesen Seiten  verkauft,
näheres hier.

Bild 1


Bild 2
Vergößern der Bilder durch Anklicken möglich
Bild 1 und 2 zeigen eine Uhr, die sich innen wie außen in gutem Zustand befindet, und auch die technische Untersuchung ergab keine Beanstandungen. Nur das Zifferblatt war nicht mehr so ganz taufrisch: Bei 4 und 11:30 Uhr zeichneten sich die Positionen der Zifferblattfüße ab, aber insgesamt kann man noch von charmanter Patina sprechen.

Das Meister-Urteil

Der neue Besitzer wollte die Uhr uneingeschränkt alltagstauglich machen lassen und gab sie einer Uhrmachermeisterin in Hamburg zum Kostenvoranschlag. (Da ich selbst keinen Kontakt mit der Dame hatte, werde ich den Namen nur auf email-Anfrage nennen). Ihr Urteil war vernichtend:
Krone nicht zu befestigen,
Krone und Tubus verschlissen,
Zifferblatt verbogen,
Automatic-Aufzug defekt,
Handaufzug defekt,
weitere nicht näher benannte Kleinigkeiten,
Kosten über EUR 400,--
Und irgendwie stimmte das alles  
So wie der Besitzer die Uhr zurück bekam, stimmte die Mängelbeschreibung irgendwie


Bild 3


Bild 4
Bild 3 zeigt die Uhr nach der Untersuchung durch die Meisterin:
     Natürlich läßt sich die Krone nicht montieren, denn bei A stimmen die Positionen von Aufzugwelle und Kronentubus nicht überein. Der äußere Teil der zweiteiligen Welle trifft den inneren einfach nicht.
     Weiter demonstriert der Schatten bei B, daß die Kontur der Datumplatte des Werks ins Zifferblatt gedrückt wurde, als das Werk mit Gewalt ins Gehäuse gedrückt wurde.

Bild 4 zeigt das Elend noch deutlicher: Das Zifferblatt ist nicht nur stark nach außen gebeult, sondern der Zifferblattrand wurde bei C sogar am Armierungsring des Glases vorbeigequetscht.
      Richtig ist, daß der Tubus beschädigt ist. Bei einer zweiteiligen Aufzugwelle wird die Krone praktisch nur durch die Dichtung geführt. Verschleißt die Dichtung, hinterläßt der Metallring unten in der Krone Riefen D auf dem Tubus. Handlungsbedarf besteht aber nicht, denn bei E, wo die Dichtung auf dem Tubus läuft, ist er unversehrt. Mit einer neuen Krone ist die Uhr also wieder zuverlässig dicht, und der Metallring berührt den Tubus nicht mehr.
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Täter
 

Bild 5

Bild 6
Das Ergebnis der Untersuchjung ist offensichtlich: Die Uhr wurde gründlich demoliert. Nur wie kann sowas passieren? Einen Hinweis geben die Bilder 5 (ursprünglicher Zustand) und 6 (nach der "Bearbeitung"):
 
Bei F ist ein Spalt im Armierungsring sichtbar. Offensichtlich wurde das Glas einmal ersetzt und dabei der nicht genau passende Original-Armierungsring verwendet. So wird die Uhr zwar nicht zuverlässig dicht sein, aber wirklich schlimm ist das nicht. Interessanter ist, was man nicht sieht: Der Schriftzug "T Swiss Made T" spiegelt sich nicht im Armierungsring.

Dagegen spiegelt sich in Bild 6 bei G der Schriftzug deutlich im Ring. Es muß also ein anderer Ring in die Uhr gelangt sein.
Kleine Ursache, große Wirkung  

Bild 7

Bild 8
Zur Demonstration habe ich einen Armierungsring, wie er in dieser Uhr vewendet wird, und einen Standard-Armierungsring aufgeschnitten:

Diese Uhr benötigt einen Ring, der auf der Zifferblattseite ausgedreht ist, wie in Bild 7. So wird das Zifferblatt wie bei H sichtbar im Ring versenkt.

Verwendet man einen Standardring wie in Bild 8, wird das Zifferblatt wie bei I am Ring vorbeigequetscht, also zerstört, sobald man ein Glas mit diesem Ring ins Gehäuse preßt.
Und warum läuft sie nicht?  

Bild 9
Die Meisterin machte es sich einfach: Läuft nicht mit Handaufzug, läuft nicht mit Automatic-Aufzug (schütteln), also beides kaputt.

Ein aufmerksamer Laie erkennt schon in Bild 3 (oben), daß der Sekundenzeiger am Minutenzeiger festhängt, und in der Vergrößerung Bild 9 ist es überdeutlich: Nicht nur das Zifferblatt wurde verdorben, sondern die Zeiger gleich mit. Sie berühren sich nicht nur, sondern stehen über Kreuz.


Die Blitzreparatur

Zeiger gerade biegen - fertig.
Kein Service-Bedarf  
Überflüssig zu erwähnen, daß Handaufzug und Automatic perfekt funktionieren.

Nicht einmal das Rotorlager zeigt den Verschleiß, wie er leider bei vielen, wenn nicht den meisten alten Omegas üblich ist.

Bei unzureichender Schmierung verschleißt das Rotorlager schnell, und der Rotor schleift dann an den Brücken und/oder am Gehäuseboden. Aber für dieses Exemplar demonstriert Bild 10 den Bestzustand dieses Lagers:


Bild 10

Trotz eines erheblichen Gewichts (Mutter) auf einer Seite des Rotors sind die Abstände zwischen Rotor und Brücke bei J und K gleich.
In der Artikelbeschreibung wurde kein Service-Bedarf genannt, und es gab auch keinen. Hier ein Foto mit dem Werk auf der Zeitwaage:


Bild 11

Gleichmäßiger Gang, kein nennenswerter Abfallfehler,
Gangabweichung 0 s/Tag,
Amplitude 269°.

Mehr erwartet man von einem nagelneuen Chronometer auch nicht, und für eine 43 Jahre alte Uhr ist es bemerkenswert gut.
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Reparatur

 

Viel war für mich nicht zu tun, außer Warten:
Warten auf das neue Zifferblatt. und die neue Krone.
Warten auf das vom Uhrmacher gereinigte und geschmierte Werk.
Und selten, aber es passiert schon mal: Warten auf das richtige Glas.

Bild 12

Bild 13
Gehäusekonstruktion

Bei vielen Gehäusen dieser Art wird das Werk mitsamt Zifferblatt nur durch das eingepreßte Glas fixiert. Bei Stößen wird dann das (verhältnismäßig schwere) Werk nur durch den Zifferblattrand abgefangen. Schnell wird dadurch der Schutzlack am Rand beschädigt und es entsteht die für solche Konstruktionen typische Korrosion am Zifferblattrand (Trauerrand).

Es gibt viele Konstruktionen, die diesen Nachteil beseitigen. Eine davon ist eine Art Bajonett-Verschluß wie bei dieser Uhr.

Das Gehäuse (Bild 12) hat einen Rand L zur Aufnahme des Werks. In diesem Rand gibt es zwei Ausfräsungen M für die zwei Befestigungsplättchen O am Werk (Bild 13). Man legt das Werk so ein, daß die Plättchen O den Rand bei M passieren. Dreht man es nun nach rechts, gelangen die Laschen wie bei einem Bajonett-Verschluß unter den Rand und fixieren das Werk.

Weiter gibt es eine größere Ausfräsung N. Sie bietet den Platz für den inneren Teil P der Aufzugwelle beim Drehen des Werks.

Bild 14

Bild 15
Signale beachten

Da man die Befestigung nach dem Abheben des Glases nicht erkennt, hat der Hersteller Hinweise und Hilfen gegeben (Bild 14):

1) Einen Pfeil Q auf dem Rand des Zifferblattes kann man nur als Aufforderung verstehen, das Zifferblatt nach links zu drehen. Klicken Sie das Bild an, um es in der Vergrößerung besser zu sehen.

2) Es gibt im Zifferblattrand eine Einkerbung R zum Drehen nach links und eine weitere S zum Drehen nach rechts. Ganz mutige können hier einen Schraubendreher ansetzen; ich bin ängstlich und bevorzuge ein Putzholz T, weil das Kratzer ausschließt.

In Bild 14 ist das Werk so eingelegt, daß die Plättchen O  den Rand L passieren. Dreht man es mit T an der Einkerbung S nach rechts, wird es fixiert. Nun drückt man die Krone mit dem Außenteil der Aufzugwelle ein und preßt das Glas ein - fertig (Bild 15).
Abrechnung  (vgl. Service-Preise)  
EUR    53,--   Standardservice Automatic
EUR      8,--   Mehrpreis Datum
EUR      4,--   Zeiger richten
EUR      6,--   Leuchtmasse der Zeiger erneuern
EUR      4,--   Schwarze Zeigerfüllung ausbessern
EUR    15,--   Leuchtpunkte bei neuem Zifferblatt ergänzen
EUR  182,80  Zifferblatt, original
EUR    34,--   Krone, original
EUR    12,50  Kunststoffglas rund armiert

EUR  319,30  Gesamtkosten  (in 2010)

So falsch lag die Meisterin mit EUR 400,-- also gar nicht. Allerdings muß man bedenken, daß ein Anteil von EUR 211,80 durch ihren individuellen Umgang mit Uhren verursacht wurde. Weiter war der Wartungszustand des Werks gut, und ein Standardservice wurde nur gemacht, um sicher zu sein, daß die Meisterin nicht auch das Werk demoliert hat. Glücklicherweise waren am Werk aber keine Reparaturen nötig.

Das hier beschriebene Desaster ist nicht einmal für ungeschickte Hobbyschrauber typisch, noch weniger für richtige Uhrmacher.
     Der Uhrmacher um die Ecke ist nach wie vor die erste Wahl bei der Betreuung Ihrer Uhren, aber alles muß man deshalb nicht hinnehmen.
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Dr. Roland Ranfft
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Letzte Änderung:  22.1.2020