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Info-Seiten: Normaler Wahnsinn

Gute Pflege

Eine Uhr, die regelmäßig gewartet und notfalls repariert wird, kann viele Jahrzehnte funktionieren, manchmal sogar Jahrhunderte.
     Es ist legitim, dafür nach billigen Lösungen zu suchen, nur sollte man sich darüber klar sein, daß billig und preiswert nicht das selbe sind.
Falsche Sparsamkeit

Kleine Schäden werden fast immer größer, wenn man eine Uhr weiter nutzt, obwohl sie mit schwankender Genauigkeit oder gar Stehenbleiben nach Service verlangt, oder obwohl Funktonsmängel vorliegen. Man spart durch Abwarten nichts, sondern muß damit rechnen, daß es später teurer wird, manchmal so teuer, daß nur noch die Tonne bleibt oder der Verkauf über ebay.
     Auf dieser Seite werden ganz normale Probleme gesammelt, die demonstrieren, wie zu spätes Handeln oder unzureichende Reparaturen ins Geld gehen können.
 
  Inhalt
Kronen-Tubus
 
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Kronen-Tubus
 

Bild 1

Bild 2
Vergößern der Bilder durch Anklicken möglich
Die Beispieluhr wurde über ebay gekauft, weil das AS 1477 darin  im Uhrwerk-Archiv fehlte. Der Handel war fair: Die Uhr wurde als defekt angeboten und kostete nur EUR 11,65. Allein als Foto-Modell oder Teilespender war sie aber zu schade. Die Frage war also: Was ist defekt und warum.
     Erste Diagnose: Die Uhr lief nicht, weil irgend ein Partikel das winzige Räderwerk blockierte. Schlimmer war aber daß die Krone sich nicht sich nicht zum Stellen herausziehen ließ. Die Uhr ist als wasserdicht bezeichnet (s. Bild 6), sollte also einen Tubus für die Kronendichtung haben. Iin Bild 1 bei A fehlt der aber. Die Risse im Glas bei C und D sind dagegen unbedeutend.
     In Bild 2 ist ein Tubus A eingesetzt, und sein Durchmesser läßt ahnen, wie schnell Wasser zwischen der dünnen Aufzugwelle B und dem großem Loch für den (fehlenden) Tubus eindringen kann.

Bild 3

Bild 4
Das Wasser gelangte in die Kronenschaltung, und dort war die Winkelhebelschraube A in Bild 3 und 4 so festgerostet, daß sich nichts mehr bewegte. Diese Schraube hält den Winkelhebel (zum Umschalten zwischen Aufziehen und Stellen).
     Das Problem: Um das Werk für Archiv-Fotos aus dem Gehäuse zu bekommen, muß diese Schraube gelöst werden; nur dann kann man die Aufzugwelle mitsamt Krone herausziehen. Die Chance dafür war aber präzise Null, denn die Schraube war in Platine, Brücke und Winkelhebel festgerostet.
     Man mußte also das Werk im Gehäuse fast komplett zerlegen, um die Aufzugwelle auch ohne Lösen der Schraube herausziehen zu können.

Bild 5

Bild 6
Nun, das Uhrwerk war zerlegt und mußte für die gewünschten Fotos wieder zusammengebaut werden. Was lag da näher, als die Teile zu reinigen? Der Mehraufwand war klein, und man hatte die Aussicht auf eine hübsche alltagstaugliche Uhr.
     Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Zwar ist an Gehäusekanten wie A und B in Bild 5 sowie an den Enden der Bandanstöße A und B in Bild 6 die Vergoldung durchgerieben, aber das fällt kaum auf. Das Gehäuse ist aus Neusilber, und deshalb bleibt es dort blank und läuft nicht matt an wie Messing oder Tombak. Auch das Zifferblatt hat etwas gelitten. Aber über Flecken am Rand wie bei C in Bild 5 kann man hinwegsehen, wenn man bedenkt daß die Uhr viel kleiner ist als hier abgebildet.
     So kleine Automatics werden heute nicht mehr hergestellt. Und auch früher waren sie so selten, daß es acht Jahre brauchte, bis dieses Werk ins Archiv kam. Wer also so ein Erbsenformat mag, kommt um alte Uhren nicht herum, und eine wassergeschützte Automatic kann es mit einer modernen Uhr durchaus aufnehmen.
Abrechnung  (vgl. Service-Preise)  
EUR   11,65  Ankauf der defekten Uhr
EUR   54,--   Standardservice Automatic
EUR   18,--   Entrostungsarbeiten
EUR   10,--   Ersatz des Kronen-Tubus
EUR     8,50  Ersatz Kunststoffglas
EUR     4,00  Dichtung Boden erneuern
EUR     3,--   Band aus Restposten

EUR 109,15  Gesamtkosten  (in 2011)
Die direkten Folgekosten für den Pfusch mit dem fehlenden Tubus waren nur EUR 18,-- fürs Entrosten. Da aber die Reparatur das Zerlegen erforderte, geht auch mindestens die Hälfte der Servicekosten, also EUR 27,-- zulasten des fehlenden Tubus.
     Die Gesamtkosten sind viel für eine Damenuhr, sogar für eine Automatic mit schön finissierten Werk. Man sollte aber bedenken: Manchmal kauft man eine Uhr mit größeren (versteckten) Mängeln für dieses Geld, ohne an die möglichen Folgekosten zu denken.

Einfache Regel:
Für Pfusch zahlt man morgen viel mehr als man heute spart.

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Letzte Änderung:  19.9.11