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| Etwas Nachölen |
Öl-Katastrophe |
Etwas Nachölen |
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Bild 1 zeigt ein Omga
30.10RA PC von 1944. Nicht taufrisch, aber gemessen am Alter adrett. Diese Uhr lief gut, blieb aber gelegentlich stehen, und das Aufzugpendel schepperte vernehmlich. Das sichtbare Lager A sah gut aus, aber dennoch berührte das Pendel das Werk und konnte ca. 2mm (!) angehoben werden. Nach Entfernen der Automatic-Brücke und des Pendels war das Elend sichtbar. Schwarze Pampe aus alten Schmiermitteln, Schmutz und Metallabrieb bei B in Bild 2. Man stelle sich vor, daß Diamant, das härteste Material, mit einem Schlamm aus Öl und Diamant-Pulver geschliffen wird. Warum sollte das mit Stahl nicht klappen? Er ist im Vergleich butterweich. Beim zweiten Blick entdeckt man ein weiteres Problem: Bei C erkennt man den mangelhaften Eingriff der Aufzugräder. Das bedeutet Reibungsverlust, eine erster Grund für den unzureichenden Aufzug. Offensichtlich ist das Federhauslager verschlissen. |
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Nach dem
Entfernen der Pampe wurde ein zerbrochener Stein sichtbar (Bild 3).
Eine typische Uhrkaputtmacher-Arbeit: Am kaputten Stein wurde
mehrfach Öl oder Fett nachgekleckert um das Scheppern zu
minimieren. Viele glauben, daß sie ihrer Uhr etwas gutes tun, wenn sie immer mal etwas Öl nachkleckern (ohne sie zu reinigen), und sogar mancher Uhrmacher tut das auf Kundenanfrage, wohl wissend, daß es schadet. Bild 4 zeigt eindrucksvoll, was passiert: Übwohl das intakte Lager knochentrocken war, sieht der entsprechend Zapfen A wie neu aus. Dagegen sieht der Zapfen B aus dem Schlammbad eher wie ein Pilz aus (zum Vergrößern anklicken). Links wurde durch die Bruchkanten des Steins etwas mehr abgetragen, aber rechts war die Schleifpaste allein auch nicht untätig. |
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Schon Bild 3 ließ auf ein verschlissenes Federhauslager schließen, und Bild 5 bestätigt es: Bei A hinterließ das Sperrad eine Schleifspur, also weitere Reibungsverluste, und Nachölen zwecks Erhöhung der Aufzugleistung machte alles noch schlimmer. Wer nun immer noch nicht an die üblen Folgen des Nachölens glaubt, sollte die Minutenwelle ansehen. Die Schleifpampe fand auch in das Minutenradlager B in Bild 5, das direkt unter dem Pendellager sitzt. Bild 6 zeigt die Welle. Der vordere Zapfen A, knochentrocken seit zig Jahren, sieht aus wie neu, während der rückseitige nachgeölte Zapfen B übel zugerichtet ist.- ganz ohne Hilfe eines zerbrochenen Steins, denn es gibt dort keinen. |
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Produktpflege Erfreulich, daß Omega Ersatzteilen selbst für so alte Uhren verbessert. Der Lagerstein wurde ja wohl durch einen harten Stoß zertrümmert. Kein Alptraum, denn ein Stein ist leicht zu erneuern. Aber es ist schön, daß der neue Pendelträger bei A in Bild 7 dünner gefräst wurde. Das macht ihn elastischer, reduziert also den Einfluß von Stößen auf die Lagersteine. Zapfenpflege Es wäre sinnlos, die Bohrung für den verschlissenen Zapfen aus Bild 6 zu verengen, denn sein "Kopf " würde nicht hindurchpassen. Der Zapfen mußte also zylindrisch geformt und natürlich poliert werden, wie in Bild 8. Hier mußte der Durchmesser von ursprünglich 0,40mm auf 0,37mm reduziert werden, bevor die tiefste Riefe verschwand. |
| Abrechnung (vgl. Service-Preise) | |
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| EUR 54,--
Standardservice Automatic EUR 12,-- Lagerstein für Pendel erneuern EUR 10,-- Minutenradzapfen rollieren, Lager verengen EUR 10,-- Federhauszapfen rollieren und Lager verengen EUR 36,-- Pendelmassenträger Omega 330-1403 EUR 122,-- Gesamtkosten (in 2011) |
Der Standardservice wäre
früher oder später ohnehin nötig gewesen, geht also
nicht voll zulasten der Nachölerei, aber der größere
Teil schon, denn die Reparatur wäre ohne Reinigung sinnlos. Knochentrocken ist besser als Pampe aus altem Öl, neuem Öl und Schmutz. Überlassen Sie "Nachölern" keine Uhren - weder Stümpern noch Profis.
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Öl-Katastrophe |
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Bild 3 |
Nicht so schlimm wie an einer sensiblen Küste, aber im kleinen Maßstab doch möglich: Zu viel Öl dort, wo es nicht hingehört. Vorweg eine Regel: Eine Uhr, die mit wenig Öl nicht oder schlecht läuft, funktioniert mit viel Öl nicht besser. Für einen Uhrmacher selbstverständlich, sogar für den schlechtesten. Es gibt aber Leute, die ihre Unkenntnis sogar für Geld verkaufen. Und deren Vorgehen ist etwa so: Uhr läuft nur müde und bleibt oft stehen. Die Lösung: Öl wird es richten. Nätürlich bessert sich nichts, also noch mehr Öl. So kommt man mit wenigen Schritten zur letzten Ölung: Alles verklebt - Uhr tot. Hier das Ende eines Junghans 651.02 (ETA 2472): Ohne Automatik-Baugruppe erkennt man im Bild 1 Öllachen, die das ganze Werk bedecken - schwer zu fotografieren, aber da das Öl grünlich ist (Olivenöl?) und viele Fusseln gesammelt hat, ist es erkennbar. Diese Mischung stoppt eine Uhr schon, wenn sie sich zwischen einem Rad und der Platine befindet, und erst recht, wenn sie die Spirale verklebt. Noch mehr Öl gab es zwischen Werk und Zifferblatt: Eine Hälfte auf dem Werk (Bild 29), die andere unter dem Zifferblatt (Bild 3). Und als Zugabe erkennt man in Bild 19 am Werkrand Klebstoff, mit dem das Werk im Gehäuse gehalten wurde, weil die Werkhalter fehlten. |
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Dabei wäre es so einfach gewesen Bild 4 zeigt den Grund für den hakeligen Gang: Die Spirale war stark verbogen - wahrscheinlich vom Meister-Öler, und damit läuft eine Uhr nicht - mit oder ohne Öl. Ein Uhrmacher hätte die Spirale mit einem Handgriff gerichtet, damit die wieder so aussieht wie in Bild 5. Und tatsächlich lief die Uhr damit wieder - trotz Ölschwemme! |
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Fertig Zerlegen, Klebstoff entfernen, etwas Kosmetik gegen die häßlichen Kratzer auf der Zifferblattseite, Waschen, Zusammenbauen, Ölen, Regulieren - schon fertig. Bild 6 und 7 zeigen nun zwar kein taufrisches Werk, aber wesentlich schöner als zuvor sieht es schon aus, und es läuft fast wieder so gleichmäßig und genau wie ein neues. |
| Abrechnung (vgl. Service-Preise) | |
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| EUR 54,--
Standardservice Automatic EUR 9,-- Mehrpreis Datum EUR 10,-- Spirale richten EUR 10,-- zwei Werkhalter mit Schrauben ergänzen EUR 83,-- Gesamtkosten (in 2011) |
Ohne die Hilfe des Schraubers
hätte der Spaß kaum mehr als EUR 15,-- gekostet (EUR 3,--
für die Arbeit, EUR 12,-- fürs Knowhow), jedenfalls dann,
wenn
der Service noch nicht nötig gewesen wäre. Einfache Regel: Ohne Bastler wären Uhrmacher ärmer.
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...die kostenlose Alternative |
Dr. Roland Ranfft Im Eichfeld 8 41844 Wegberg-Wildenrath Deutschland |
Tel. +49 (0)2432 491604 Fax +49 (0)2432 491605 email: info@ranfft.de |
Letzte Änderung: 3.9.11 |