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Info-Seiten: Öl-Katastropen

Öl ist gut

Sollte fehlendes Öl von Vorteil sein, hätte es in den letzten Jahrhhunderten mal jemand bemerkt. Schmierstoffe, meist Öl, manchmal Fett, haben drei Hauptaufgaben:

1) Reduzierung von Verschleiß
2) Reduzierung von Reibungsverlusten.
3) Schutz von Lagerflächen
Mehr Öl ist nicht besser

Für diese Aufgaben genügt die kleinstmögliche Menge. Nur der Lagerspalt muß gefüllt werden, gerade noch sichtbar genügt. Mehr Öl bindet nur Staub und andere Verunreinigungen, die Lager schädigen.
     Die wichtigsten Ausnahmen sind Ankerpaletten und Lager mit Deckstein. Auf Paletten bildet das Öl eine große Oberfläche zum Verdampfen, und man braucht einen Vorrat für die langfristige Schmierung. Und zwischen Deckstein und Lochstein kann ein Vorrat für ein langes Wartungsintervall gespeichert werden, ohne die Gefahr einer Verunreinigung.
Viel mehr Öl ist übel

Etwas zu viel Öl wird verdampfen oder wegkriechen. Aber es gibt Möglichkeiten eine Uhr mit Schmierstoffen zu zerstören, und diese Seite soll  Uhren-Liebhaber dafür sensibilisieren.
     Lesen Sie es oder überlassen Sie Uhren weiterhin Uhrkaputtmachern, die sie in kurzer Zeit zur Strecke bringen.
 
  Inhalt
Etwas Nachölen
Öl-Katastrophe
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Etwas Nachölen
 

Bild 1

Bild 2
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Bild 1 zeigt ein Omga 30.10RA PC von 1944. Nicht taufrisch, aber gemessen am Alter adrett.
      Diese Uhr lief gut, blieb aber gelegentlich stehen, und das Aufzugpendel schepperte vernehmlich. Das sichtbare Lager A sah gut aus, aber dennoch berührte das Pendel das Werk und konnte ca. 2mm (!) angehoben werden.
     Nach Entfernen der Automatic-Brücke und des Pendels war das Elend sichtbar. Schwarze Pampe aus alten Schmiermitteln, Schmutz und Metallabrieb bei B in Bild 2. Man stelle sich vor, daß Diamant, das härteste Material, mit einem Schlamm aus Öl und Diamant-Pulver geschliffen wird. Warum sollte das mit Stahl nicht auch klappen?
     Beim zweiten Blick entdeckt man ein weiteres Problem: Bei C erkennt man den mangelhaften Eingriff der Aufzugräder. Das bedeutet Reibungsverlust, eine erster Grund für den unzureichenden Aufzug. Offensichtlich ist das Federhauslager verschlissen.

Bild 3

Bild 4
Nach dem Entfernen der Pampe wurde ein zerbrochener Stein sichtbar (Bild 3). Eine typische Uhrkaputtmacher-Arbeit: Am kaputten Stein wurde mehrfach Öl oder Fett nachgekleckert um das Scheppern zu minimieren.

Viele glauben, daß sie ihrer Uhr etwas gutes tun, wenn sie immer mal etwas Öl nachkleckern (ohne sie zu reinigen), und sogar mancher Uhrmacher tut das auf Kundenanfrage, wohl wissend, daß es schadet.

Bild 4 zeigt eindrucksvoll, was passiert: Übwohl das intakte Lager knochentrocken war, sieht der entsprechend Zapfen A wie neu aus. Dagegen sieht der Zapfen B aus dem Schlammbad eher wie ein Pilz aus (zum Vergrößern anklicken). Links wurde durch die Bruchkanten des Steins etwas mehr abgetragen, aber rechts war die Schleifpaste allein auch nicht untätig.

Bild 5

Bild 6

Schon Bild 3 ließ auf ein verschlissenes Federhauslager schließen, und Bild 5 bestätigt es: Bei A hinterließ das Sperrad eine Schleifspur, also weitere Reibungsverluste, und Nachölen zwecks Erhöhung der Aufzugleistung machte alles noch schlimmer.

Wer nun immer noch nicht an die üblen Folgen des Nachölens glaubt, sollte die Minutenwelle ansehen. Die Schleifpampe  fand auch in das Minutenradlager B in Bild 5, das direkt unter dem Pendellager sitzt. Bild 6 zeigt die Welle. Der vordere Zapfen A, knochentrocken seit zig Jahren, sieht aus wie neu, während der rückseitige nachgeölte Zapfen B übel zugerichtet ist.- ganz ohne Hilfe eines zerbrochenen Steins, denn es gibt dort keinen.

Bild 7

Bild 8
Produktpflege
Erfreulich, daß Omega Ersatzteile selbst für so alte Uhren verbessert. Der Lagerstein wurde ja wohl durch einen harten Stoß zertrümmert. Kein Alptraum, denn ein Stein ist leicht zu erneuern. Aber es ist schön, daß der neue Pendelträger bei A in Bild 7 dünner gefräst wurde. Das macht ihn elastischer, reduziert also den Einfluß von Stößen auf die Lagersteine.

Zapfenpflege
Es wäre sinnlos, die Bohrung für den verschlissenen Zapfen aus Bild 6 zu verengen, denn sein "Kopf " würde nicht hindurchpassen. Der Zapfen mußte also zylindrisch geformt und natürlich poliert werden, wie in Bild 8. Hier mußte der Durchmesser von ursprünglich 0,40mm auf 0,37mm reduziert werden, bevor die tiefste Riefe verschwand.
Abrechnung  (vgl. Service-Preise)  
EUR  54,--   Standardservice Automatic
EUR  12,--   Lagerstein für Pendel erneuern
EUR  10,--   Minutenradzapfen rollieren, Lager verengen
EUR  10,--   Federhauszapfen rollieren und Lager verengen
EUR  36,--   Pendelmassenträger Omega 330-1403
EUR 122,--  Gesamtkosten  (in 2011)
Der Standardservice wäre früher oder später ohnehin nötig gewesen, geht also nicht voll zulasten der Nachölerei, aber der größere Teil schon, denn die Reparatur wäre ohne Reinigung sinnlos.

Knochentrocken ist besser als Pampe aus altem Öl, neuem Öl und Schmutz.
Überlassen Sie
"Nachölern" keine Uhren  - weder Stümpern noch Profis.
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Öl-Katastrophe


Bild 1

Bild 2
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   Bild 3

Nicht so schlimm wie an einer sensiblen Küste, aber im kleinen Maßstab doch möglich: Zu viel Öl dort, wo es nicht hingehört.

Vorweg eine Regel: Eine Uhr, die mit wenig Öl nicht oder schlecht läuft, funktioniert mit viel Öl nicht besser. Es gibt aber Leute, die ihre Unkenntnis für Geld verkaufen. Und deren Vorgehen ist etwa so:

Uhr läuft nur müde und bleibt oft stehen. Die Lösung: Öl wird es richten. Nätürlich bessert sich nichts, also noch mehr Öl. So kommt man mit wenigen Schritten zur letzten Ölung: Alles verklebt - Uhr tot.

Hier das Ende eines Junghans 651.02 (ETA 2472): Ohne Automatik-Baugruppe erkennt man im Bild 1 Öllachen, die das ganze Werk bedecken - schwer zu fotografieren, aber da das Öl grünlich ist (Olivenöl?) und viele Fusseln gesammelt hat, ist es erkennbar. Diese Mischung stoppt eine Uhr schon, wenn sie sich zwischen einem Rad und der Platine befindet, und erst recht, wenn sie die Spirale verklebt. Noch mehr Öl gab es zwischen Werk und Zifferblatt: Eine Hälfte auf dem Werk (Bild 2), die andere unter dem Zifferblatt (Bild 3). Und als Zugabe erkennt man in Bild 2 am Werkrand Klebstoff, mit dem das Werk im Gehäuse gehalten  wurde, weil die Werkhalter fehlten.

Bild 4

Bild 5

Dabei wäre es so einfach gewesen

Bild 4 zeigt den Grund für den hakeligen Gang: Die Spirale war stark verbogen - wahrscheinlich vom Meister-Öler, und damit läuft eine Uhr nicht - mit oder ohne Öl. Ein Uhrmacher hätte die Spirale mit einem Handgriff gerichtet, damit die wieder so aussieht wie in Bild 5. Und tatsächlich lief die Uhr damit wieder - trotz Ölschwemme!


Bild 6

Bild 7

Fertig

Zerlegen, Klebstoff entfernen, etwas Kosmetik gegen die häßlichen Kratzer auf der Zifferblattseite, Waschen, Zusammenbauen, Ölen, Regulieren - schon fertig.
     Bild 6 und 7 zeigen nun zwar kein taufrisches Werk, aber wesentlich schöner als zuvor sieht es schon aus, und es läuft fast wieder so gleichmäßig und genau wie ein neues.
Abrechnung  (vgl. Service-Preise)  
EUR  54,--   Standardservice Automatic
EUR    9,--   Mehrpreis Datum
EUR  10,--   Spirale richten
EUR  10,--   zwei Werkhalter mit Schrauben ergänzen

EUR  83,--  Gesamtkosten  (in 2011)
Ohne die Hilfe des Schraubers hätte der Spaß kaum mehr als EUR 15,-- gekostet (EUR 3,-- für die Arbeit, EUR 12,-- fürs Knowhow), jedenfalls dann, wenn der Service noch nicht nötig gewesen wäre.

Einfache Regel:
Ohne Bastler wären Uhrmacher ärmer.
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Dr. Roland Ranfft
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Letzte Änderung:  3.1.2015